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Sascha Haselmayer
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In einer Welt, die uns ständig einredet, es sei „fünf vor zwölf“, zeigt Sascha Haselmayer einen radikal anderen Weg auf: die Slow Lane. Als Sozialunternehmer und Autor hat er erlebt, wie schnelle Lösungen oft nur oberflächliche Wirkung entfalten – während nachhaltige Veränderungen langsam, mühsam und unspektakulär beginnen. Doch genau dort, wo wir Geduld üben und anderen Raum geben, liegen die wahren Schätze.
Haselmayer erzählt von prägenden Momenten – wie der Katastrophe von Fukushima, die ihn von Vorurteilen befreite, oder dem Gefängnis in London, wo Gefangene erstmals mit der Leitung auf Augenhöhe Lösungen erarbeiteten. Seine Botschaft: Echte Veränderung gelingt nicht durch Kontrolle, sondern durch Vertrauen – in uns selbst und in andere. Ob in der Familie, in sozialen Bewegungen oder in der Politik: Wer zuhört, Macht teilt und Brücken baut, schafft die Basis für Wandel, der trägt.
Sein Appell ist klar: „Die Slow Lane ist kein fauler Weg – sie ist die härteste Arbeit am Großen Ganzen.“ Wer bereit ist, diese Herausforderung anzunehmen, findet nicht nur Lösungen, sondern auch neue Verbündete in unerwarteten Orten. Eine Einladung, langsamer zu werden – um weiter zu kommen.
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Biografie
Als Sascha Haselmayer als Architekturstudent kurz nach Nelson Mandelas Wahl ein Township in Südafrika besucht, wird ihm klar: Ihn interessiert weniger das Entwerfen von Gebäuden – als die Frage, wie Veränderung in Kommunen wirklich gelingt. Eine Art Gesellschaftsarchitektur: Prozesse, die Menschen, Institutionen und Ideen so zusammenbringen, dass etwas Tragfähiges entsteht.
Mit seinem Sozialunternehmen Citymart arbeitete er in über 50 Ländern mit Städten und Regierungen – und richtete den Blick dabei auf einen oft unterschätzten Hebel: das öffentliche Beschaffungswesen. Er verwandelte es in etwas, das eher an Architekturwettbewerbe erinnert als an Ausschreibungen – bis 2020 hatten 135 Städte weltweit diese Methode übernommen.
Und dann die Wende: Je tiefer er in diese Arbeit eintauchte – als Sozialunternehmer, als Vater, als Begleiter von Projekten dort, wo Menschen wenig Spielraum haben –, desto deutlicher wurde ihm, dass auch im Einsatz für das Gute eine Falle lauert: die Logik der Schnelligkeit, der einfachen Antwort, des großen Hebels.
Sein Buch The Slow Lane destilliert aus dieser Erfahrung fünf Prinzipien für Wandel – darunter: Dringlichkeit aushalten, wirklich zuhören, Handlungsmacht teilen. Nicht als Absage an Veränderung, sondern als ihre Bedingung. Denn die Slow Lane, so Sascha, ist oft der schnellere Weg – zum richtigen Ort.
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Meine Güte! Wie habe ich da auch meine gelernten Strukturen wieder erkannt, die leider auch immer wieder durchbrechen. Glernt is halt glernt!
Es war für mich sehr befreiend zu hören, dass auch Du, Sascha, diesen Weg durchlaufen hast.
Es ist für mich auch erleichternd, immer wieder zu hören, dass kleine Schritte und kleine Erfolge den Weg zum “Großen” ebnen (können), um sich nicht klein und ohnmächtig zu fühlen.
Und es auch tröstlich sein kann, sich vor Augen zu führen, dass etwas 150 Jahre lang dauern kann – obwohl es mir oft schwer fällt, darin Trost zu sehen.
Aber zornig zu sein, dass etwas nicht so erfolgreich ist, wie ich es mir wünsche, kann mir ja auch als Wutkraft helfen, mich weiter zu engagieren, oder?
Vielen Dank für das Teilen Deiner Erfahrungen und Deiner Ideen, lieber Sascha!
Und ganz herzlichen Dank an das gesamte Team!
Spannend. Slow Lane ist gerade in Beschleunigungsgeselschaften wie der unseren (siehe Hartmut Rosa) eine gewaltige Herausforderung. Ich musste an Sven Nadolnys Klassiker “Entdeckung der Langsam ” denken. Wie lange hatte ich selber ein schlechtes Gewissen, weil ich schon als Kind dazu neigte, langsam zu sein und dafür von meinem Umfeld abgestraft wurde. Danke für dieses ermutigende Gespräch!
Ein wunderbares Video. Danke dafür 🤗 Schon Michael Ende hat in “Momo” die Langsamkeit als Schlüssel für den Umgang mit der Zeit gesehen. Je langsamer Momo lief, desto weiter entfernten sich die grauen Männer (Zeitdiebe) von ihr. Auch die 5 Prinzipien sind inspirierend: 1) Dringlichkeit aushalten (Geduld) 2) Zuhören (Empathie) 3) Handlungsmacht teilen (Heterarchie anstatt Hierarchie) 4) Neugier fördern (Kreativität) 5) Technologie als Befähiger (Transformatorischer Verstärker) Bei Lösungsfindungen für das Wohl aller in Gruppen finde ich das “Systemische Konsensieren” (SK) sehr fruchtbar. Dort werden in Gruppen Lösungsmöglichkeiten erarbeitet und wird dann über diese Möglichkeiten abgestimmt, nach dem Prinzip des geringsten Widerstandes. Einfaches Beispiel: Vierköpfige Familie: Wohin geht es in den Urlaub? Reiseziel-Wünsche der einzelnen Familien-Mitglieder: Spanien Schweiz Italien England Alle Familienmitglieder schreiben jeweils ihren Widerstandswert (Skala 0 bis 10) hinter jedes Urlaubsland auf einen Zettel. (0 Punkte absolute Zustimmung – 10 Punkte maximaler Widerstand) Alle Widerstandspunkte werden ausgezählt, sprich addiert. Das Urlaubsland mit den geringsten Widerstandspunkten ist dann das Reiseziel. Wenn Italien dann nur 6 Widerstandspunkte erhalten hat, wird keines der Familienmitglieder sich übergangen fühlen, wenn die Reise nach Italien geht. Dass sich Menschen heute mit der Langsamkeit so schwer tun, liegt an der Konditionierung durch die Normen der Leistungsgesellschaft. Höher, schneller, weiter. Jeder gegen Jeden. Anerkennung gibt es nur für gute Leistungen. Und Kinder, die das von Geburt an erleben, deren Nervensystem ist traumatisiert. Kinder wissen, dass ihr Überleben von den Eltern abhängt. Sie machen daher alles, um ihren Eltern zu gefallen, um deren Vorstellungen zu entsprechen. Traumatisierte Kinder… Weiterlesen »
Ein sehr inspirierendes Gespräch. Danke. Traurig gemacht hat mich der Satz dass das Thema Abtreibung in Irland “gewaltfrei” gelöst wurde.
Spüre tiefe Trauer für all die Kleinen Ungeborenen.
Ich bin keine Hardlinerin in der Katholischen Kirche. Aber diese Aussage war für mich verstörend. Abtreibung geht nicht gewaltfrei.
Mit euch verbunden, aber traurig, Eva-Maria
Ein hochinteressantes Gespräch, das bei mir nachwirken wird und mich auch auf das Buch neugierig gemacht hat. Diese Prinzipien machen für mich absolut Sinn.
Jedoch kommt immer wieder die Frage in mir hoch: Wie zum Geier schaffe ich es, die Dringlichkeit auszuhalten und die nötige Ruhe, Weitsicht und langen Atem aufzubringen wenn ich gleichzeitig pausenlos mit erschreckenden News konfrontiert werde?
Ich merke bei mir, wie übersensitiv ich mitterweile im Hinblick auf schlechte Nachrichten geworden bin. Es schmeißt mein Nervensystem oft in den angst-basierten Überlebenmodus und ich muss regelmäßig einiges an Zeit investieren, um das System wieder einigermaßen zu regulieren.
Letzteres fühlt sich wie ein Hamsterrad an: eine scheinbare Endlosschleife von Adrenalin, das sich aufbaut, Nervensystem, das Gefahr signalisiert und entsprechend reagiert und von Selbstregulation und dann geht es wieder von vorne los.
Gibt es einen Weg wie das Nervensystem es lernt mit der Gefahr, die man bisher einfach nicht stoppen kann (Umweltzerstörung, Klimawandel, Arten- und Baumsterben etc.) entspannter zu sein, so dass man besser und weiser einsatzfähig ist?
Ich hab diesen Weg bisher noch nicht gefunden und würde mich freuen, wenn es dazu auch mal einen Summit gäbe.
Vielen Dank für die spannenden Impulse und das wunderschüne Musikstück am Anfang, das ich sehr genossen habe!
Zum erwähnten Thema Gaza zuletzt … Es gibt eine ermutigende Bewegung von israel. und paläst. Bürgern und Unterstützern in vielen Ländern, die allen Strömungen (seitens isr. Regierung/Siedlern …) entgegen sich unterstützen … Sehr beeindruckend wie von außen erklärte “Feinde” zusammenstehen können … https://www.cfpeace.org / https://www.ziviler-friedensdienst.org/de/dossiers/praevention/israelpalaestinensische-gebiete/combatants-peace
Diese Community ist ein Brückenbauer zwischen Menschen (also keine von Sascha auch benannten “Zuhörtheater-Spieler)
Ich nehme das immer wieder als Erinnerung für meinen Alltag “hier” – Ausdauer und Beherzheit immer wieder neu aufzubringen, auch ggfls im ganz Kleinen …
“Mitten im Krieg legen Feinde ihre Waffen nieder und treten gemeinsam für Frieden ein. Nicht nur das macht die Combatants for Peace weltweit einzigartig. Sie schaffen Raum für Begegnungen zwischen Menschen, die sich eigentlich abgrundtief hassen. Das macht Frieden wieder möglich und beugt weiterer Gewalt vor”
Sehr inspirierendes Interview! Vielen herzlichen Dank dafür. Sehr authentisch, klar, überzeugend, feinsinnig…TOP!
Ein absolut spannendes und interessantes Interview, das mich sehr zur Selbstreflektion angeregt hat, wo und wann ich in “Aktionismus” und “Rödelei” verfalle und die schnellen Lösungen auf Kosten eines nachhaltigen Weges (im Sinne von langfristig wirkungsvoll und sinnvoll) zu suchen. Wir leben in einer Zeit, in der das “Weghaben-wollen” von Problemen, Schmerzhaftem, Ungelöstem weit verbreitet ist. Danke für diese Anregungen und Beispiele und das tolle Gespräch.
Gewaltfrei ist die Tötung eines Embryonen nicht. Ich würde mich freuen, wenn christen die Elternschaft übernehmen koennnten und dürften. Die Adoptionen müssten dafür freier werden. Wir brauchen diese Kinder! Sie haben ein Recht auf Liebe und leben!
Ja, das mit der Abtreibung hat mich sehr traurig gemacht.
Danke für die Musik
Nähe, Langsamkeit, Geduld, Freude. Danke
Zuerst schien mir das Ganze sehr verwirrend und jetzt am Ende , und manches doppelt gehört ,sage ich wow ,ja genau ! Sehr sympathisch und nah am Menschen und was für mich jetzt in vielen Interviews rüberkam und was ich selbst oft erlebte : Das menschliche ,liebevolle ,zugewandte Handeln im Kleinen bewirkt eventuell mehr als die ganz großen,ambitionierten Projekte weil :
Der Beginn ist immer zunächst bei DIR SELBST , DU musst dich wandeln ,bewusster werden ,liebevoller mit dir umgehen , DANN erst kannst du diese Liebe ausdehnen auf deine Mitmenschen .
Darum sind Revolutionen meist gescheitert.
Danke den Interviewten für all diese wertvollen Impulse , danke für eure Arbeit (pioneers )und euer Einlassen und Sichtbarmachen des eigenen Prozesses ! Dankbarkeit,auch etwas so Wichtiges,das gepflegt und gehegt werden möchte und das in unserer Gesellschaft keine große Rolle spielt.
Du hast es auf den Punkt gebracht. Danke dir, liebe Sigrid.
Eva Heinloth, aus München